ETH Spin-off und Schweizer Traditionsunternehmen spannen zusammen

17 | 09 | 2025

Granol ist ein Schweizer Familienunternehmen mit rund 100 Mitarbeitenden. Produziert wird ausschliesslich in der Schweiz – mit klarem Bekenntnis zu Qualität, Kontinuität und nachhaltigem Unternehmertum. Seit 70Jahren entwickelt Granol Trockenbaustoffe für Fassade, Decke, Boden und Wand. In der DNA: Innovation, Praxisnähe und ein feines Gespür für relevante Entwicklungen in der Branche.

Kein Wunder also, dass Granol früh in Kontakt mit Oxara kam – und fünf Jahre später zur Produktionspartnerin für das zementfreie Bindemittel Oulesse® wurde.

Die Geschichte begann visionär – und etwas holprig 

Oxara klopfte vor rund fünf Jahren mit einer zukunftsweisenden Idee an die Tür von Granol: Zementfreie Baustoffe, hergestellt aus Abfallstoffen aus der Bauindustrie. Ein ambitioniertes Ziel – 100’000 Tonnen pro Jahr Material waren im Gespräch. Für Manuel Sieger, Geschäftsleitungsmitglied bei Granol, eine Anfrage, die neugierig machte: „Bringt sie mal, dann schauen wir weiter.“

Damals – vor rund fünf Jahren – stand die Diskussion um CO₂-Reduktion noch am Anfang. Das Thema Zementersatz war neu, visionär, aber für viele noch weit weg. Doch dann kam Bewegung in die Sache: 2024 stieg Martin Bodmer bei Oxara ein – Manuel Sieger bekannt aus früheren beruflichen Stationen. Die Verbindung wurde neu belebt, das Vertrauen war da. Und plötzlich ging alles schnell, wie das so oft ist im Innovationsprozess. Zuerst passiert lange nichts, dann geht es auf einmal rasend schnell vorwärts.

© Granol

Gleiche Ziele, unterschiedliche Perspektiven

Für Granol stand von Anfang an nicht nur die Idee im Fokus, sondern auch die Machbarkeit. Oxara brachte die Innovationskraft, Granol die Produktionskompetenz. Heute produziert Granol das Bindemittel Oulesse® undübernimmt die Qualitätskontrolle der Rohstoffe– alles made in Switzerland. Ein zusätzlicher Vorteil: Die Zusammenarbeit stärkt die Diversifikation: Schwankt die Konjunktur der Bauwirtschaft, ist es gut, nicht nur von einem Segment abhängig zu sein. Gleichzeitig überzeugte Sieger die Technologie. "Zementfreie Produkte – das hat Zukunft. Und es ist etwas, daswir für unsere Produkte ebenfalls nutzen können."

Integration mit Hürden – aber grossem Lerneffekt

Die Integration in die Produktionsprozesse war eine Denkarbeit: Prozesse mussten angepasst, Reinigungen eingeführt und Kompatibilitäten geprüft werden. "Wir hatten Glück: Unsere Abläufe passten erstaunlich gut mit dem Oxara-Produkt zusammen – ohne dass wir gross anpassen mussten", so Sieger. Die Nachfrage kam dann schneller als gedacht – und brachte sogar die ursprünglich geplante Produktion an ihre Kapazitätsgrenze. Die Zusammenarbeit funktioniert – auch weil beide Seiten pragmatisch denken und an einem Strang ziehen.

Gnanli Landrou & Manuel Sieger

Nachhaltigkeit als strategischer Pfeiler 

Die Technologie hinter Oulesse® schien spannend für Granol, denn auch ihre Produkte weisen einen Zementanteil auf – weniger als die der Betonindustrie zwar, aber dennoch.

Die CO₂-Abgaben auf Zement (aktuell 40–45 CHF/Tonne) belasten daher auch Granol. Die Möglichkeit, mit Oulesse® den Zementanteil zu senken, ist wirtschaftlich attraktiv – und ein klares Statement für nachhaltigeres Bauen. Dabei setzt Granol schon heute auf CO₂-Reduktion – beispielsweise mit Pelletheizung und Solaranlage, die rund ein Drittel des Strombedarfs der Produktion deckt. Doch mit Oulesse® entsteht erstmals ein Produkt, das echte Kreislaufwirtschaft abbildet: "Wir bringen Abbruchmaterial zurück in die Produktion – das ist mit unseren bisherigen Produkten nicht möglich gewesen."

Waste to Value – der Einstieg in echte Kreislaufwirtschaft

Besonders begeistert ist Manuel Sieger vom Aspekt der Kreislaufwirtschaft: "Bisher waren wir auf reine Rohstoffe angewiesen. Mit Oulesse® gelingt uns erstmals der Schritt, Abbruchmaterial sinnvoll wieder in die Produktion einzubinden." Ein klarer Mehrwert – nicht nur für Granol, sondern für die gesamte Branche. Denn die langfristige Vision könnte grösser sein: ein Produkt, das schweizweit zementfreie Alternativen ermöglicht, gefertigt im Dreischichtbetrieb, das Arbeitsplätze sichert und einen nachhaltigen Beitrag zur Bauindustrie leistet. Im Fokus steht jedoch aktuell der Aufbau einer stabilen Produktion. Die Abläufe müssen sich festigen und damit kalkulierbare Beständigkeit erreichen. Erst dann könnte es an weitere Anwendungen und neue Produkte gehen– idealerweise mit einfacherem Anforderungsprofil zu Beginn. "Später könnten wir unsere bestehenden Produkte mit Oulesse® veredeln – den Zement reduzieren bei gleichbleibender Druckfestigkeit", so Sieger.

Ein persönlicher Moment, der bleibt

Für Sieger steht fest: Der Wandel in der Branche kommt. Und wer vorne mit dabei sein will, muss offen bleiben – für neue Materialien, neue Prozesse, neue Partnerschaften. Zusammenarbeit mit der Bindemitteltechnologie ist eine zukunftsorientierte Idee, bei der Granol unbedingt mit dabei sein sollte. Aus unternehmerischer Sicht wegen der Auslastung, aber auch, weil es für Granol selbst nutz- und gleichzeitig produzierbar wäre. "Das hat mich schon vor fünf Jahren fasziniert, auch wenn wir damals noch nicht so weit waren. Heute bekommt das Ganze Hand und Fuss."

 

Und dann war da noch dieser eine Moment: "Als der erste Lastwagen mit Oxara-Material unser Werk verliess – das war für mich ein Highlight", erinnert sich Sieger. Fünf Jahre nach dem ersten Gespräch. Langsam begonnen, schnell eskaliert. Innovation, wie sie eben funktioniert. Was bleibt, ist nicht nur ein weiterer Schritt in der Dekarbonisierung des Bauens, sondern auch eine Geschichte über Vertrauen, Langfristigkeit – und die Bedeutung von persönlichem Austausch.

© Granol

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