Schweizer Botschaft Yaoundè: Ihrer Zeit voraus

15 | 06 | 2026

In dieser Serie begleiten wir den Bau der neuen Schweizer Botschaft in Kameruns Hauptstadt Yaoundé und zeigen Ideen und Gesichter hinter diesem besonderen Projekt. Diesmal standen die Architekten Caesar Zumthor und Philipp Ryffel Rede und Antwort zu ihren Gedanken hinter dem Entwurf.

Caesar Zumthor und Philipp Ryffel hatten bereits während des Studiums die Idee, gemeinsam Projekte zu entwerfen. Und trotz unterschiedlicher Karrierewege liess sie der Gedanke nicht los. Dass sie im ersten Anlauf einer Zusammenarbeit den Sitz der Schweizer Botschaft in Yaoundé in Kamerun umsetzen durften, damit rechneten sie damals jedoch nicht. «Wir waren fasziniert davon, ausserhalb unseres gewohnten Kontextes zu arbeiten», sagt Philipp Ryffel von Nord Architekten. «Wir hatten einfach Spass daran, das Konzept zu entwickeln, mit einem Gewinn haben wir ehrlich gesagt nicht wirklich gerechnet.» Sie setzten sich jedoch gegen gut 100 weitere Wettbewerber durch – und das mit einem für Anfang der 2010er Jahre radikalen Entwurf. 

©Boris Haberthür

«Während des gestalterischen Prozesses haben wir uns mit lokalen Bauweisen in Zentralafrika beschäftigt und haben uns mit den dort typischen Baumaterialien auseinandergesetzt», erklärt Caesar Zumthor von Caesar Zumthor Architekten. «Das war keine Vorgabe für den Entwurf, aber wir wollten uns von westlichen Gestaltungsideen lösen.» Sie griffen stattdessen auf, was in Kamerun seit Jahrhunderten Standard ist: Klimaangepasste Bauweise mit weiten Dächern, die Sonne und Regen abhalten. Hölzerne Wandkonstruktionen, um das Raumklima durch Luftzirkulation zu regulieren. Wiederverwertung von Materialien, um der Ressourcenknappheit zu begegnen. Damit stiessen die Architekten nicht nur auf Verständnis, da der Entwurf nicht dem damaligen Bild eines modernen, repräsentativen Gebäudes entsprach. Dennoch entschied sich das verantwortliche Bundesamt für Bauten und Logistik genau dafür.

Und die Zeiten haben sich geändert. Nach einem Projektstopp vergingen beinahe zehn Jahre bis mit der Umsetzung begonnen wurde. In dieser Zeit hat sich der Blick auf Architektur, klimagerechtes Bauen und Kultur weltweit weiterentwickelt. Heute sei man in Yaoundé stolz darauf, dass die Schweizer Botschaft sich an der lokalen Bautradition orientiert, so Caesar Zumthor, der regelmässig vor Ort ist.

Für Oxara war die Verzögerung des Bauprojekts ein Glücksfall. Erst 2019 gegründet, steuert das Unternehmen mittlerweile den für die Produktion von Lehmsteine notwendigen Aktivator bei. Die Verwendung von Lehm als Baumaterial war und ist bis heute auch für die Architekten ein Lernprozess. «Man muss sich an die nie ganz einheitlichen Materialeigenschaften herantasten und die geeigneten Anwendungen dafür finden», so Philipp Ryffel, und Caesar Zumthor ergänzt: «Dafür geben die Steine dem Gebäude eine eigene, fast schon sakrale Atmosphäre.» Diese unterstreicht im Kontrast zum lebhaften Botschaftsquartier von Yaoundé den ausgeglichenen Charakter des Gebäudeensembles, der Austausch und Verhandlung animieren soll.

Nun, da der Bau im vollen Gange ist und die Strukturen der Gebäude in die Höhe wachsen, sind sicherlich nicht nur die Architekten froh, dass sich die Bauherrschaft für ihren Entwurf entschied. «Unsere Idee, nicht nur auf Schweizer Präzision zu setzen, sondern auch lokale Kultur und Ressourcen in den Entwurf einzubeziehen, war damals vielleicht nicht zeitgemäss», sagt Philipp Ryffel. «Damals war dieser Ansatz wohl eher ungewohnt. Heute wird viel breiter darüber diskutiert, und es freut uns, dass unser Projekt Teil dieser Entwicklung ist.»

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