Nachhaltiges Bauen beginnt mit der richtigen Materialwahl

02 | 06 | 2026

Die Materialwahl wird zu einer der wichtigsten Entscheidungen im Bauen. In der Schweiz, wo Gebäude hohe Anforderungen an Qualität, Dauerhaftigkeit, Klimawirkung und Ressourceneffizienz erfüllen müssen, lautet die Frage nicht mehr nur: Womit können wir bauen? Sondern auch: Welche Auswirkungen hat dieses Material über seinen gesamten Lebenszyklus?

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Jedes Gebäude beginnt mit einer Reihe von Entscheidungen. Einige davon sind sichtbar: die Form, die Fassade, die Innenräume. Andere sind weniger sichtbar, aber oft umso entscheidender: die Materialien, die wir einsetzen, woher sie kommen, wie sie hergestellt werden und was mit ihnen nach ihrer Nutzung passiert.

In der Schweiz gewinnen diese Entscheidungen zunehmend an Bedeutung. Klimaziele, öffentliche Beschaffungsregeln, Methoden der Lebenszyklusanalyse und neue Planungsstandards lenken den Fokus weg von der reinen Betriebsenergie hin zur gesamten Umweltwirkung von Gebäuden. Für Materialhersteller entsteht dadurch sowohl Druck als auch eine grosse Chance: Wer heute in CO₂-arme, kreislauffähige und ressourcenschonende Materialien investiert, positioniert sich besser für den Baumarkt von morgen.

Die versteckte Wirkung der Materialwahl

Über viele Jahre lag der Fokus des nachhaltigen Bauens vor allem auf der Energieeffizienz im Betrieb. Bessere Dämmung, effiziente Heizsysteme und erneuerbare Energien haben entscheidend dazu beigetragen, den Fussabdruck von Gebäuden zu senken. Doch je stärker die Emissionen im Betrieb reduziert werden, desto deutlicher rückt die Wirkung der eingesetzten Baumaterialien in den Vordergrund.

United Nations Environment Programme. Building Materials and the Climate: Constructing a New Future. Nairobi. 2023. Available online: https://wedocs.unep.org/20.500.11822/43293

Zement, Beton, Stahl, Dämmstoffe, Oberflächenmaterialien und Transportprozesse tragen alle zur grauen Energie eines Gebäudes bei – also zu jenen Emissionen, die entstehen, bevor ein Gebäude überhaupt genutzt wird. Weltweit sind Gebäude und Bauwesen für einen grossen Anteil der energiebedingten CO₂-Emissionen verantwortlich. Materialien und Bauprozesse machen dabei einen wesentlichen Teil dieser Umweltwirkung aus.

In einem Land wie der Schweiz, wo die baulichen Standards hoch und der verfügbare Raum begrenzt sind, zählt Materialeffizienz besonders. Jede Tonne Rohmaterial, die abgebaut, verarbeitet, transportiert und eingebaut wird, hat ökologische Auswirkungen. Die gute Nachricht: Jede Materialentscheidung bietet auch die Möglichkeit, diese Wirkung zu reduzieren.

Warum das in der Schweiz besonders relevant ist

In der Schweiz wird nachhaltige Materialwahl immer wichtiger, weil ökologische Performance nicht mehr nur ein planerischer Anspruch ist, sondern zunehmend messbar und vergleichbar wird. Neue und bestehende Instrumente wie SIA 390/1:2025 «Klimapfad Gebäude», die KBOB- und ecobau-Ökobilanzdaten, das revidierte CO₂-Gesetz, das Klima- und Innovationsgesetz sowie Nachhaltigkeitskriterien in der öffentlichen Beschaffung treiben die Bauwirtschaft in Richtung CO₂-armer, ressourceneffizienter und kreislauffähiger Lösungen.

Diese Instrumente helfen Planer:innen, Entwickler:innen und öffentlichen Bauschaften, Materialien nicht nur nach Preis und technischer Leistung zu bewerten, sondern auch nach Klimawirkung, Ressourceneinsatz und ihrem Beitrag zu langfristigen Nachhaltigkeitszielen.

Warum grüne Materialien eine wirtschaftliche Chance sind

Für Materialhersteller bringt dieser Wandel sowohl neue Anforderungen als auch konkrete Marktchancen. Einerseits steigt der Druck, transparente Umweltdaten bereitzustellen, CO₂-Emissionen zu reduzieren, Ressourcen effizienter einzusetzen und Produkte auf lebenszyklusbasierte Planung und Beschaffung auszurichten. Materialien ohne glaubwürdige Nachhaltigkeitsleistung könnten künftig an Wettbewerbsfähigkeit verlieren – insbesondere bei Projekten mit öffentlichen Auftraggebern, ambitionierten Klimazielen oder ESG-Anforderungen.

Andererseits können Hersteller, die frühzeitig in nachhaltigere Materialien investieren, ihre Marktposition stärken, sich klar von konventionellen Lösungen abheben und zu bevorzugten Partnern für Architekt:innen, Bauunternehmen, Entwickler:innen und öffentliche Bauherrschaften werden. Nachhaltige Materialentwicklung ist deshalb nicht nur eine Antwort auf Regulierung. Sie ist ein strategischer Vorteil in einer Industrie, die sich zunehmend in Richtung messbare Wirkung, Kreislaufwirtschaft und geringere graue Emissionen bewegt.

Was macht ein Material nachhaltig?

Ein nachhaltiges Material lässt sich nicht über einen einzigen Faktor definieren. Ein CO₂-armes Material ist nicht automatisch nachhaltig, wenn es auf knappe Rohstoffe, toxische Zusatzstoffe oder lange Transportwege angewiesen ist. Ebenso ist ein erneuerbares Material nicht automatisch nachhaltig, wenn seine Herstellung Biodiversität gefährdet oder eine spätere Wiederverwendung unmöglich macht. Eine glaubwürdige Bewertung muss deshalb das Gesamtbild betrachten.

Klimawirkung und CO₂-Emissionen

Eine der ersten Fragen lautet: Wie viele Treibhausgase entstehen über den gesamten Lebenszyklus eines Materials? Dazu gehören Rohstoffgewinnung, Verarbeitung, Produktion, Transport, Einbau, Nutzung, Unterhalt und Entsorgung oder Wiederverwertung. Gerade bei Baumaterialien kann die Produktionsphase besonders relevant sein – insbesondere dann, wenn hohe Temperaturen, chemische Reaktionen oder fossile Energieträger eine Rolle spielen.

Energieverbrauch in der Produktion

Wie viel Energie wird benötigt, um ein Material herzustellen? Ist die Produktion energieintensiv oder kann sie bei Umgebungstemperatur erfolgen? Kann erneuerbarer Strom eingesetzt werden? Ein geringerer Energiebedarf bedeutet in der Regel nicht nur eine tiefere Umweltbelastung, sondern auch eine geringere Abhängigkeit von Energiepreisschwankungen.

Herkunft der Rohstoffe

Woher stammen die eingesetzten Materialien? Handelt es sich um Primärrohstoffe, neu gewonnene Ressourcen, industrielle Nebenprodukte oder Bauabfälle? Ein nachhaltiges Material sollte die Abhängigkeit von knappen Primärressourcen möglichst reduzieren und vorhandene Materialströme sinnvoll nutzen.

Kreislauffähigkeit und Wiederverwendung

Kann ein Material Ressourcen im Kreislauf halten? Enthält es rezyklierte Bestandteile? Kann es am Ende seiner Nutzung wiederverwendet, repariert oder rezykliert werden? Kreislauffähigkeit ist gerade in der Schweiz besonders relevant, da Bau- und Rückbaumaterialien einen grossen Teil der gesamten Materialströme ausmachen.

Design for Disassembly

Die Nachhaltigkeit eines Materials hängt auch davon ab, wie es in einem Gebäude eingesetzt wird. Werden Materialien verklebt, vermischt oder so verbaut, dass eine spätere Trennung kaum möglich ist, wird Wiederverwendung erschwert. Ein kreislauffähiges Design hilft, den Wert von Materialien über den ersten Lebenszyklus hinaus zu erhalten.

Gesundheit und Toxizität

Nachhaltige Materialien sollten sicher sein – für Menschen, die sie herstellen und verarbeiten, für Nutzer:innen von Gebäuden und für die Umwelt. Dazu gehören Aspekte wie Staubentwicklung, Emissionen, Zusatzstoffe, Auswaschungen, Innenraumluftqualität und mögliche toxische Wirkungen über den gesamten Lebenszyklus.

Wasserverbrauch

Der Wasserverbrauch wird in der Materialbewertung oft unterschätzt. Je nach Material und Produktionsprozess kann der Wasserbedarf erheblich sein. In einem sich verändernden Klima wird ein effizienter Umgang mit Wasser jedoch zunehmend wichtiger.

Biodiversität und Landnutzung

Rohstoffabbau, Forstwirtschaft, Bergbau und Landnutzungsänderungen können Ökosysteme stark beeinflussen. Ein nachhaltiges Material sollte Schäden an Lebensräumen minimieren und auf verantwortungsvoll beschafften Rohstoffen basieren.

Transportdistanzen

Auch ein Material mit geringer Umweltwirkung kann einen Teil seines Vorteils verlieren, wenn es über weite Strecken transportiert werden muss. Lokale Produktion, regionale Rohstoffe und kurze Lieferketten können die Umweltbilanz deutlich verbessern – und gleichzeitig Kosten senken.

Leistung und Dauerhaftigkeit

Ein Material muss seine Funktion zuverlässig erfüllen. Dauerhaftigkeit, Robustheit und technische Performance sind entscheidend. Ein Material, das früh versagt oder häufig ersetzt werden muss, ist in der Praxis selten nachhaltig.


Die entscheidende Frage: Kann Nachhaltigkeit skalieren?

Bei Oxara sind wir überzeugt: Nachhaltige Materialien müssen über Prototypen und Leuchtturmprojekte hinaus funktionieren. Um echte Wirkung zu erzielen, müssen sie skalierbar, technisch zuverlässig und kompatibel mit der Art und Weise sein, wie die Bauindustrie tatsächlich arbeitet.

Genau hier scheitern viele vielversprechende Lösungen. Sie funktionieren im Labor, benötigen aber neue Produktionsinfrastrukturen, spezielle Verarbeitung, hohe Kosten oder komplexe Anpassungen auf der Baustelle. Damit nachhaltige Materialien breit eingesetzt werden können, müssen sie in bestehende Wertschöpfungsketten passen.

Wo Oxara ansetzt

Oxara entwickelt zementfreie und kreislauffähige Lösungen, die die Herstellung CO₂-armer Baumaterialien auf Basis von Rückbaumaterialien ermöglichen.

Entdecke unsere Produkte

Unsere Technologie verwandelt mineralische Abfallströme in wertvolle Bindemittel für Anwendungen wie Magerbeton, Füllbeton, Hüllbeton, Pflastersteine, Blöcke und nicht tragende Bauteile. Statt auf energieintensiven Zement zu setzen, basieren unsere Lösungen auf einem energiearmen Prozess und der Wiederverwendung lokal verfügbarer mineralischer Ressourcen.

Damit adressieren wir zentrale Aspekte nachhaltiger Materialwahl:

Geringere CO₂-Emissionen: Oxara-Bindemittel können die Klimawirkung ausgewählter Anwendungen im Vergleich zu konventionellen zementbasierten Systemen deutlich reduzieren.

Zirkuläre Rohstoffe: Unsere Lösungen ermöglichen die Wiederverwendung von gemischtem Rückbau- und Aushubmaterial. So bleiben Ressourcen im Kreislauf und natürliche Rohstoffe werden geschont.

Lokale Wertschöpfung: Durch die Nutzung regionaler Materialströme und bestehender Produktionsinfrastruktur unterstützt unser Ansatz kurze Lieferketten und lokale Materialökosysteme.

Kompatibilität mit bestehenden Prozessen: Unsere Produkte sind so entwickelt, dass sie je nach Anwendung mit konventionellen Misch-, Transport-, Pump- und Einbauprozessen funktionieren.

Skalierbarkeit: Wir fokussieren uns auf Anwendungen, bei denen grosse Materialvolumen auf realistische Leistungsanforderungen treffen. Genau dort lässt sich Klimawirkung in relevantem Massstab reduzieren.

Glaubwürdigkeit durch Daten: Lebenszyklusanalysen und unabhängige Prüfungen sind zentral, um Vertrauen in alternative Materialien aufzubauen.


Bessere Materialien, bessere Gebäude

Die Zukunft des Bauens wird nicht durch ein einziges Material bestimmt. Sie wird durch bessere Entscheidungen geprägt. Manchmal ist Holz die beste Lösung. Manchmal sind es wiederverwendete Bauteile. Manchmal CO₂-armer Beton, erdbasierte Materialien, rezyklierte Aggregate oder hybride Systeme. Entscheidend ist, das richtige Material für die richtige Anwendung zu wählen – auf Basis von Leistung, Verfügbarkeit, Umweltdaten und langfristigem Wert.

Für die Schweiz ist das besonders wichtig. Das Land verfügt über technisches Know-how, regulatorische Rahmenbedingungen und industrielle Kapazitäten, um den Wandel hin zu einer kreislauffähigeren und klimabewussteren Bauwirtschaft aktiv mitzugestalten. Doch dieser Wandel gelingt nur, wenn Materialhersteller, Planer:innen, Bauunternehmen, Entwickler:innen und öffentliche Bauschaften zusammenarbeiten.

Bei Oxara sehen wir die Materialwahl als einen der wirkungsvollsten Hebel, um die Umweltwirkung der gebauten Umwelt zu reduzieren. Indem wir Bindemittel neu denken und mineralische Abfallströme in neue Baumaterialien verwandeln, machen wir nachhaltiges Bauen praktischer, skalierbarer und messbarer.

Denn die Gebäude von morgen beginnen mit den Materialien, die wir heute wählen.

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