Was macht ein Material nachhaltig?
Ein nachhaltiges Material lässt sich nicht über einen einzigen Faktor definieren. Ein CO₂-armes Material ist nicht automatisch nachhaltig, wenn es auf knappe Rohstoffe, toxische Zusatzstoffe oder lange Transportwege angewiesen ist. Ebenso ist ein erneuerbares Material nicht automatisch nachhaltig, wenn seine Herstellung Biodiversität gefährdet oder eine spätere Wiederverwendung unmöglich macht. Eine glaubwürdige Bewertung muss deshalb das Gesamtbild betrachten.
Klimawirkung und CO₂-Emissionen
Eine der ersten Fragen lautet: Wie viele Treibhausgase entstehen über den gesamten Lebenszyklus eines Materials? Dazu gehören Rohstoffgewinnung, Verarbeitung, Produktion, Transport, Einbau, Nutzung, Unterhalt und Entsorgung oder Wiederverwertung. Gerade bei Baumaterialien kann die Produktionsphase besonders relevant sein – insbesondere dann, wenn hohe Temperaturen, chemische Reaktionen oder fossile Energieträger eine Rolle spielen.
Energieverbrauch in der Produktion
Wie viel Energie wird benötigt, um ein Material herzustellen? Ist die Produktion energieintensiv oder kann sie bei Umgebungstemperatur erfolgen? Kann erneuerbarer Strom eingesetzt werden? Ein geringerer Energiebedarf bedeutet in der Regel nicht nur eine tiefere Umweltbelastung, sondern auch eine geringere Abhängigkeit von Energiepreisschwankungen.
Herkunft der Rohstoffe
Woher stammen die eingesetzten Materialien? Handelt es sich um Primärrohstoffe, neu gewonnene Ressourcen, industrielle Nebenprodukte oder Bauabfälle? Ein nachhaltiges Material sollte die Abhängigkeit von knappen Primärressourcen möglichst reduzieren und vorhandene Materialströme sinnvoll nutzen.
Kreislauffähigkeit und Wiederverwendung
Kann ein Material Ressourcen im Kreislauf halten? Enthält es rezyklierte Bestandteile? Kann es am Ende seiner Nutzung wiederverwendet, repariert oder rezykliert werden? Kreislauffähigkeit ist gerade in der Schweiz besonders relevant, da Bau- und Rückbaumaterialien einen grossen Teil der gesamten Materialströme ausmachen.
Design for Disassembly
Die Nachhaltigkeit eines Materials hängt auch davon ab, wie es in einem Gebäude eingesetzt wird. Werden Materialien verklebt, vermischt oder so verbaut, dass eine spätere Trennung kaum möglich ist, wird Wiederverwendung erschwert. Ein kreislauffähiges Design hilft, den Wert von Materialien über den ersten Lebenszyklus hinaus zu erhalten.
Gesundheit und Toxizität
Nachhaltige Materialien sollten sicher sein – für Menschen, die sie herstellen und verarbeiten, für Nutzer:innen von Gebäuden und für die Umwelt. Dazu gehören Aspekte wie Staubentwicklung, Emissionen, Zusatzstoffe, Auswaschungen, Innenraumluftqualität und mögliche toxische Wirkungen über den gesamten Lebenszyklus.
Wasserverbrauch
Der Wasserverbrauch wird in der Materialbewertung oft unterschätzt. Je nach Material und Produktionsprozess kann der Wasserbedarf erheblich sein. In einem sich verändernden Klima wird ein effizienter Umgang mit Wasser jedoch zunehmend wichtiger.
Biodiversität und Landnutzung
Rohstoffabbau, Forstwirtschaft, Bergbau und Landnutzungsänderungen können Ökosysteme stark beeinflussen. Ein nachhaltiges Material sollte Schäden an Lebensräumen minimieren und auf verantwortungsvoll beschafften Rohstoffen basieren.
Transportdistanzen
Auch ein Material mit geringer Umweltwirkung kann einen Teil seines Vorteils verlieren, wenn es über weite Strecken transportiert werden muss. Lokale Produktion, regionale Rohstoffe und kurze Lieferketten können die Umweltbilanz deutlich verbessern – und gleichzeitig Kosten senken.
Leistung und Dauerhaftigkeit
Ein Material muss seine Funktion zuverlässig erfüllen. Dauerhaftigkeit, Robustheit und technische Performance sind entscheidend. Ein Material, das früh versagt oder häufig ersetzt werden muss, ist in der Praxis selten nachhaltig.
Die entscheidende Frage: Kann Nachhaltigkeit skalieren?
Bei Oxara sind wir überzeugt: Nachhaltige Materialien müssen über Prototypen und Leuchtturmprojekte hinaus funktionieren. Um echte Wirkung zu erzielen, müssen sie skalierbar, technisch zuverlässig und kompatibel mit der Art und Weise sein, wie die Bauindustrie tatsächlich arbeitet.
Genau hier scheitern viele vielversprechende Lösungen. Sie funktionieren im Labor, benötigen aber neue Produktionsinfrastrukturen, spezielle Verarbeitung, hohe Kosten oder komplexe Anpassungen auf der Baustelle. Damit nachhaltige Materialien breit eingesetzt werden können, müssen sie in bestehende Wertschöpfungsketten passen.
Wo Oxara ansetzt
Oxara entwickelt zementfreie und kreislauffähige Lösungen, die die Herstellung CO₂-armer Baumaterialien auf Basis von Rückbaumaterialien ermöglichen.
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